"Vertico®" - ein Baum aus guter Schule

"Vertico®" ist kein neues Erziehungssystem, sondern unserer Erfahrung nach der idealste Jungbaum für intensive Pflanzsysteme der Marille: Marillenspindeln mit Pflanzabständen in der Reihe zwischen 1,5 - 2 Meter.

Regelmäßige, hohe Erträge mit guten Fruchtqualitäten in unseren klimatisch nicht so bevorzugten Gebieten lassen sich am leichtesten mit einer sehr hohen Zahl kurzer generativer Triebe auf einer maximalen Oberfläche pro Hektar erreichen - das heißt durch möglichst viele kegelförmig aufgebaute Bäume.

In der Vergangenheit haben wir in der Baumschule möglichst früh alle vorzeitigen Triebe bis 60 cm entfernt, um in dieser Höhe 4-6 kräftige Basistriebe zu erhalten. International wird das von vielen guten Steinobstbaumschulen so gehandhabt und meist unter AA- Qualität vermarktet.

Anerkannte Steinobstexperten (F.-G. Zahn, M. Balmer, E. Mozer, u.a.) empfehlen bei diesem stark verzweigten Pflanzmaterial jeden Ast, der stärker als die Hälfte des Stammdurchmessers ist, bereits bei der Pflanzung zu entfernen. Da große Wunden am Hauptstammgerüst die Apoplexie der Marille fördern, ist bei uns vor Jahren die Idee gereift, schon in der Baumschule konsequent keinen Seitenast stärker als 1/3 des Stammes werden zu lassen.

Wir erreichen das relativ leicht, indem wir die bis 60 cm aufgeputzten Bäume, sobald die ersten vorzeitigen Triebe je nach Sorte ca. eine Länge von 50 cm erreicht haben, pinzieren. Das heißt, wir entfernen den stärksten vorzeitigen Trieben lediglich die kräftig orange-rot gefärbte Triebspitze.

Da die orange-rot Färbung durch längenwachstumsfördernde Hormone verursacht wird, die sich zahlreich in der Triebspitze befinden, werden diese Äste im Wuchs gebremst und die Kraft verlagert sich nach oben. Dadurch entstehen nicht wie bisher 4 - 6 kräftige Basistriebe, sondern durch wiederholtes Korrigieren der Kräfteverhältnisse am Baum bereits in der Baumschule ein Jungbaum mit 8 - 12 vorzeitigen Trieben. Im Optimalfall ist keiner von diesen stärker als 1/3 des Stammdurchmessers.

Grundsätzlich gilt auch die Regel: Je stärker ein Ast wächst, desto steiler wächst er.

Durch das Pinzieren der starken Äste erreichen wir eine Vielzahl von vorzeitigen Trieben mit einem natürlichen, flachen Astabgang.

Weiters kommt es durch das Entfernen der längenwachstumsfördernden Hormone zu einem Überschuß an blütenbildenden Hormonen, das wiederum die Triebe zur Blütenknospenbildeung bereits in der Baumschule anregt.

Ich vergleiche dies gerne mit einem Kind, das schon früh Fremdsprachen lernt - es wird diese nie ganz vergessen und immer leicht und gerne neue Sprachen lernen. - Ein Baum der bereits in der Baumschule Blütenknospen bildet, wird Zeit seines Lebens blühwilliger sein.

Wird ein Baum wie konventionell produziert 2-jährig in der Baumschule belassen, erreicht man in der Regel sehr starke, steilabgehende Triebe. Dieser Baum wird während seiner gesamten Standdauer viel Holz produzieren. Genauso falsch war es, bei einjährigen Bäumen den Mitteltrieb bei 80 cm zu pinzieren, um darunter kräftige vorzeitige Treibe zu erreichen. Für intensive Pflanzsysteme bei der Marille brauchen wir keinen Baum mit wenigen starken, sondern mit vielen, schwachen, flachabgehenden Seitentrieben.

Diesen Anforderungen wird die neue Qulitätsmarke "vertico®" gerecht:

Mindestens 8 vorzeitige Triebe, davon mindestens 4 in einer Höhe von 60-80 cm mit mindestens 50 cm Länge, von denen keiner stärker als 50 % des Stammdurchmessers sein darf.

Vertico - ein Baum der viele Sprachen spricht.