Pflanzanleitung
Die beste Pflanzzeit für wurzelnackte Bäume ist
spät im Herbst oder zeitig im Frühjahr - d.h. entweder im November oder im März.
Der Herbstpflanzung ist, soweit es der Witterung entsprechend noch
möglich ist und Wildverbiss einfach vermieden werden kann, bei fast allen
Obstarten der Vorzug zu geben. Lediglich windfrostempfindliche Obstarten wie
Pfirsich, Nektarine, Mandel, Maroni und Walnüsse pflanzt man am Besten zeitig im
Frühjahr. Will man aus irgendwelchen Gründen auch diese Obstarten im Herbst
pflanzen, sollte man den Stamm und die Hauptleitäste mit einem Windschutz
(Stroh, Schilf, Jute, Kunststoffgewebe u. a.) einbinden.
Auch Marillenbäume pflanzen wir soweit als möglich im Herbst – am Besten nach
dem ersten Reif, wenn das Holz gut ausgereift ist.
Auf sehr schweren, nassen Böden und in extrem windigen Frostlagen ist es
empfehlenswert erst im Frühjahr zu pflanzen. Allerdings muss vor Beginn der
Vegetationsperiode gepflanzt werden, solange die Bäume noch „blind“, d.h. noch
nicht in Saft sind.
Holt man die Bäume in der Baumschule ab, sollte man beim Transport die Wurzeln vor Sonne, Luftzug, Wind und Frost schützen. Erhält man die Bäume geschickt, sollte man bald die Verpackung entfernen und die Bäume über Nacht ins Wasser stellen.
1. Den Baum vor dem Pflanzen einen Tag ins
Wasser stellen.
Je stärker ein Obstbaum ist und je später nach dem Roden gepflanzt wird, desto wichtiger ist ein Wässern vor dem Pflanzen. D. h. wird ein Obstbaum im Herbst gerodet und erst im Frühjahr gepflanzt, erleichtert ein Wässern bis zur ersten Verzweigung immer das Anwachsen. Pflanzt man nicht am folgenden Tag, kann man die Bäume bis zu einer Woche in Wasser stellen, dann aber nur die Wurzeln. Für einen längeren Zeitraum sollten die Bäume wieder eingeschlagen werden.
Das Eingießen nach dem Pflanzen kann ein vorhergehendes Baden nicht ersetzen und dient dazu, einen guten Erde-Wurzelschluss zu erzielen.
2. Möglichst viele Wurzeln frisch anschneiden.
Unmittelbar vor der Pflanzung sind alle verletzten Wurzeln wegzuschneiden und die Hauptwurzeln glatt anzuschneiden, bis die Schnittstelle weiß ist. Das Anschneiden regt die Wundreizwurzelbildung an.
Tipp: Möglichst viele Wurzeln anschneiden, möglichst wenig dabei wegschneiden.
3. Pflanzloch großzügig ausheben und einen
Stützpfahl
einschlagen.
Das Pflanzloch sollte so groß gegraben werden, dass alle Wurzeln genügend Platz haben sich auszubreiten, bei festem Boden doppelt so groß wie die Wurzelmasse. Ist der Boden von minderer Qualität oder hat an der Stelle schon ein Obstbaum gestanden, empfiehlt es sich, etwas Gartenerde oder sehr reifen Kompost in das Pflanzloch zu geben und mit der „gewachsenen Erde“ zu mischen. Die Gabe von frischem Kompost, Stallmist oder leichtlöslichen Handelsdüngern in den Wurzelbereich ist zu vermeiden. Besser ist es, diese nach beendigter Pflanzung oberflächlich auf die Pflanzscheibe zu streuen.
In der Regel schlägt man die Baumstange vor der Pflanzung ein und setzt den Baum so zum Pfahl, dass er sich gerade und die Krone regelmäßig entwickeln kann.
4. Den Baum ins Pflanzloch stellen und mit feiner
lockerer
Erde zuräumen.
Den Baum dabei rütteln und leicht anheben - die
Erde
festdrücken.
5. Gießen und, wenn das Wasser versickert ist,
fertig
anhäufeln.
Je nasser der Boden beim Pflanzen ist, desto wichtiger ist das Eingießen nach der Pflanzung!
Die Veredlungsstelle muss immer über das
zukünftige Bodenniveau ragen, und sollte beim Pflanzen nicht tiefer stehen, als
sie in der Baumschule stand.
Mit dem endgültigen Zuräumen des Pflanzloches wartet man, bis das Wasser
gänzlich versickert ist und drückt die Erde leicht an. Ein abschließendes
leichtes Anhäufeln mit lockerer Erde verringert die Austrocknung und erleichtert
die spätere Unkrautpflege.
6. Sofort oder in den nächsten Tagen - auf jeden
Fall
vor in Saft gehen des Baumes - den Pflanzschnitt
durchführen. Den Baum anbinden.
Pflanzschnitt: Pflanzt man wurzelnackte Bäume, sollte man die Augenanzahl der Wurzelmasse, die durch Roden und Wurzelschnitt reduziert wurde, anpassen.
Je stärker der Rückschnitt, desto kräftiger der Austrieb.
Zu starkes Wachstum in der Jugendphase
verzögert aber den Ertragseintritt.
Je stärker die Triebe eingekürzt werden, umso leichter wachsen die Bäume an,
weil die reduzierten Wurzeln weniger Triebsubstanz zu versorgen haben.
Grundsätzlich richtet sich der Pflanzschnitt nach dem gewünschten
Erziehungssystem.
Unabhängig davon ist es empfehlenswert:
Einj. Apfel- und Birnenbuschbäume ca. um ein Drittel einkürzen.
Einj. Zwetschken-, Kirschen-, Marillen- und Wildobstbäume ca. um die Hälfte einkürzen.
Einj. Pfirsich-, Nektarinen- und Mandelbäume um mehr als 2/3 zurückschneiden.
Mehrjährige und Halb- und Hochstämme bei allen Obstarten ca. jeden Ast um die Hälfte einkürzen.
Erhält man einen unverzweigten Baum, was im Erwerbsanbau aus Kostengründen noch immer oft gepflanzt wird, schneidet man diesen einfach über der gewünschten Stammhöhe ab und bildet mit den oberen Augen die Krone. Zu tief austreibende Triebe werden nach dem Austrieb weggebrochen.
Je weniger Feinwurzeln vorhanden sind und je mehr Probleme zu erwarten sind, desto stärker sollte der Pflanzschnitt durchgeführt werden, um diese Fehler auszugleichen. Diese Fehler können z.B. entstehen:
·
durch einen sehr langen
Transportweg oder während der
Lagerung ausgetrocknete
Bäume;
·
durch einen sehr späten
Pflanztermin und schon leicht
angetriebene Pflanzen;
·
oder bei extrem stark und mastig
gewachsenen
Jungbäumen;
·
wenn die Bäume im Sommer des
Pflanzjahres bei
Trockenheit nicht bewässert
werden können oder
die Baumscheibe nicht unkrautfrei gehalten werden kann.
Oft ist es üblich, Seitenäste schräg und ohne Stummel über einem nach außen stehenden Auge zu schneiden, um die Krone zu formen und die Schnittstelle mit Baumwachs zu verstreichen. Gerade das äußerste, so umsorgte Auge treibt oft schlecht durch und bildet nur einen kümmerlichen Trieb.
Besser ist es, die Seitenäste ohne Rücksicht auf Augenrichtung und Stummellänge einzukürzen und die Schnittstelle nicht zu verstreichen; Dafür sollte man im Mai bis Juni den Baum kontrollieren, Stummel und aufrechte Triebe entfernen und am Ende einen gesunden, nach außen stehenden und dem gewünschten Erziehungssystem entsprechenden Trieb belassen.
Während der Vegetationszeit den Jungbaum auf Krankheits- und Schädlingsbefall kontrollieren und, falls notwendig, ihm mit nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln das Leben erleichtern; bei Trockenheit gießen – und einem zukünftigen Obstgenuss steht nichts mehr im Wege.
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