DIE KIRSCHENSPINDEL

Der starke Preisdruck am Apfelmarkt lässt uns Obstbauern intensiv nach lukrativen Marktnischen suchen.
Der Kirschenpreis ist gut - jedoch große Bäume mit spätem Ertragsbeginn, geringe Pflückleistung und die Platzemfindlichkeit der Früchte schrecken viele von der Kirschenkultur ab.

Das Aufkommen neuer, schwachwüchsiger Unterlagen in Kombination mit großfrüchtigen, platzfesten Edelsorten eröffnen dem Kirschenanbau neue Perspektiven. Dabei kommt der Technik in der Jungbaumerziehung allergrößte Bedeutung zu. Gleich vorweg: Es ist leichter einen Kirschenbaum auf Sämling auf 1 m Pflanzabstand klein und ruhig zu halten als auf einer schwachwüchsigen Unterlage, wenn die Technik nicht stimmt!

Aufbauend auf den Erfahrungen von F.-G. ZAHN aus Jork und Tobias VOGEL aus Forchheim pflanzten wir vor acht Jahren unsere erste Kirschenversuchsanlage mit über 40 Sorten auf verschiedenen Unterlagen in einem Pflanzabstand von 4 x 1,5 m.
In der Folge lernten wir eine Reihe von weiteren, großen Kirschenfachleuten wie Martin BALMER aus Ahrweiler, EDIN, DARNAUD und DELBARD aus Frankreich, Karel FLEUREN aus Holland oder ALBERTINI und BATTISTINI aus Italien kennen und pflegen gute Kontakte zu SUMMERLAND in Kanada, überhaupt einer der erfolgreichsten Kirschenzuchtstationen weltweit. In der Zwischenzeit wuchs unsere Versuchsanlage auf über 130 Kirschensorten.

Begriffe wie "Die Zahn´sche Regel", "Höhengerechter Pflanzabstand", "Spindelgerechtes Pflanzmaterial" und "Stärkenbezogene Baumbehandlung" sollten für einen Obstbauern eine Selbstverständlichkeit sein, bevor er einen Kirschbaum pflanzt.

Die "Zahn´sche Regel":

Ein Seitenast darf niemals stärker sein als die Hälfte der Stammstärke vor der Verzweigung.

Ansonst steht der Seitenast als Konkurrenz zur Stammverlängerung. Er wächst stark und schwächt die Mitte, übernimmt die Führung bis zum Absterben derselben - und bewirkt das gefürchtete Kirschbaumsterben im "Alten Land". Jeder Ast, der mehr als halb so dick ist wie der Stammdurchmesser unterhalb der Astansatzstelle, muß bis auf einen 30 cm - Zapfen weggeschnitten werden. Der Zapfen ist wichtig, damit am Mitteltrieb keine Wunden entstehen. Ziel der Baumerziehung ist eine Schlanke Spindel mit dominierender Mitte.

 

"Höhengerechter Pflanzabstand":

Wir gehen davon aus, dass man im modernen Obstbau alle Früchte vom Boden aus, oder zumindest mit einem Pflückschlitten ernten können muss. Wird auch nur eine kurze Leiter benötigt, verringert sich die Pflückleistung enorm und die Unfallgefahr steigt.

Eine Anlagenhöhe von 2,5 bis 3 m sollte daher nicht überschritten werden.

Je länger ein Ast ist, desto stärker wird er. Da der unterste Seitenast nicht stärker als die Hälfte des Stammes vor der Verzweigung sein darf, darf er auch nicht länger als die Hälfte der Stammverlängerung sein.

                                                                                              

 

Baumendhöhe:

 

Stammverlängerung
2,5 m


Seitenastlänge=          ½ Stammverlängerung 1,25 m

Stamm:                       50 cm
 

Pflanzabstand:

3m

 

2,5 m

  






4 m
 

2 m

 

50cm

4,5 m
     4 m

 

In der Praxis bedeutet dies, dass bei der Spindelerziehung die angestrebte Höhe einer Anlage den Pflanzabstand bestimmt!

Aus eigener Erfahrung können wir bestätigen, dass sich bei einem engerem Pflanzabstand z.B. im Verhältnis 2:3 (Baumabstand : Baumhöhe) eine ruhige Kirschenspindel noch leichter realisieren lässt. Ein zu weit gewählter Pflanzabstand führt zum Aufbau eines schweren Grundgerüstes. Statt leichtem, früh fruchtendem Holz erzieht man selbstständige Baumeinheiten mit kräftigem Wuchs und wenig Früchten, die der Mittelachse die Dominanz nehmen.

 

"Spindelgerechtes Pflanzmaterial":

ist die Grundlage für einen intensiven Steinobstanbau. Die Sorten-Unterlagenkombination sollte den Boden- und Klimaverhälnissen angepasst sein, die Baumqualität sollte der Spindelform entsprechen. Ideal bezeichnen wir einjährige Veredlungen mit drei bis sechs vorzeitigen Trieben, die 30 bis 60 cm lang, ca. 1/3 so stark wie der Stammdurchmesser und in einer Höhe ab 60 cm sind. Der Mitteltrieb sollte kräftig, dominant und bis 80 cm lang ab der letzten Verzweigung sein. Veredlungshöhe ca. 20 cm.

Wichtig ist, dass die Jungbäume viele Wurzeln haben und das Holz gut ausgereift ist. Schwaches, unverzweigtes Pflanzmaterial sollte in der Baumschule zweijährig werden und hoch angeschnitten werden. Lange, steilstehende Seitentriebe sind nicht mehr erwünscht.

 

"Stärkenbezogene Baumbehandlung":

Entspricht ein Jungbaum diesen Anforderungen, kann empfohlen werden:
Pflanzen und nicht anschneiden!

Sind ausreichend vorzeitige Triebe in 60 bis 80 cm Höhe vorhanden, genügt es zu starke oder steile Äste zu entfernen. Wenn der Mitteltrieb nach dem letzten Seitentrieb nicht länger als 1 m und gut ausgereift ist, wird er genausowenig angeschnitten wie die vorzeitigen Triebe. Ein gut ausgereifter Kirschentrieb bildet am Ende immer eine Terminalknospe mit dicht um ihn sitzenden, steilstehenden 3 - 5 Kronenknospen. Um eine Etagenbildung und 3 - 5 kräftige, steilabgehede Äste zu verhindern, werden diese Kronenknospen und die Augen eine Handbreite darunter ausgebrochen. Dadurch garniert sich die Mitte bis zu den vorzeitigen Trieben hinunter mit flachen Trieben und Blütenknospen. Die vorzeitigen Triebe werden einige Wochen nach dem Austrieb mit Klammern oder Schnüren waagrecht gestellt.

Um im Trockengebiet einen Ausgleich zwischen der durch das Ausschulen und Umpflanzen reduzierten Wurzelmasse und der Augenanzahl zu erreichen, lassen wir auch an den vorzeitigen Trieben die Endknospe und brechen 3 -4 Augen dahinter aus. Bei langen vorzeitigen Trieben kann man zusätzlich mit der flachen Hand über den Trieb fahren und alle aufrechtstehenden Knospen abbrechen. So erreicht man eine Garnierung mit Blütenknospen bis zum Astansatz bereits ab dem Pflanzjahr.

Nach 2 - 3 Monaten kann man die Klammern zum Formieren von den vorzeitigen Trieben nehmen und damit steilstehende Triebe über 20 cm an der Mitte waagrecht stellen. Zu lange krautige Triebe pinziert man am besten auf 5 - 7 Augen. Diese bilden im selben Jahr noch einen Kurztrieb und Blütenknospen. Wir wollen eine dominierende Mitte, von der nur mehr waagrechte, garnierte Triebe und Fruchtspieße ausgehen. Alle steilstehenden und störenden Elemente im oberen Kronendrittel werden am besten herausgerissen.

 

Das Ausbrechen der krautigen Kronen- und Konkurrenztriebe im Mai halten wir für eine der wichtigsten Maßnahmen bei allen Erziehungssystemen.

Konkurrenztriebe ziehen die Kraft an sich, bilden eine starke, trichterförmige Etage und verhindern darunter eine Blütenknospenbildung. Jede Etagen- und Trichterbildung muss vermieden werden. Der Mitteltrieb wird bis zum Erreichen seiner Endhöhe so behandelt. Die Endhöhe ist für uns erreicht, wenn Früchte nicht mehr vom Boden aus erntbar sind. Das heißt, so lange der Mitteltrieb schlank ist, und bei der Ernte heruntergebogen werden kann, wird er auch über 3 m laufen gelassen. Wird er zu kräftig, begrenzen wir während der Ernte die Höhe bei ca. 2,5 m durch Brechen oder Schneiden ins mehrjährige Holz auf flache, generative Triebe und ernten die Kirschen wieder vom Boden.

Da nicht alle Sorten in der Baumschule vorzeitige Triebe bilden, kann es auch passieren, dass man einen unverzweigten Baum pflanzen muss.

Dieser wird dann am besten hoch angeschnitten. Wenn wir davon ausgehen, dass wir 60 cm Stammhöhe wollen, ca. 6 Augen für die Basisäste brauchen, eine Handbreite die Konkurrenzknospen wegbrechen und dann eine Terminalknospe belassen, ergibt das je nach Internodienabstand eine Höhe von ca. 90 cm. Wichtig ist, dass über der obersten verbliebenen Knospe ein Stummel (Zapfen) stehen bleibt, der erst im Sommer entfernt wird.

Schneidet man zu dicht an die Endknospe, besteht die Gefahr, dass Ihr die Lust am Austreiben vergeht. Um es ihr so leicht als möglich zu machen, werden die Konkurrenzknospen kurz nach dem Austrieb entfernt. Die verbleibenden Basisaugen wachsen weniger steil, weniger kräftig dafür gleichmäßiger. Im August werden die Triebe mit Klammern waagrecht gestellt und viele garnieren sich noch dieses Jahr am Astansatz mit 2 - 3 Blütenknospen.

Falls der Mitteltrieb bei einem schön verzweigten Jungbaum länger ist als 1 m, wird dieser bei der Pflanzung ca. 70 cm über der obersten Verzweigung abgeschnitten und wie der unverzweigte Heister weiterbehandelt.

Geschnitten wird der Ertragsbaum am besten nach der Ernte, d. h. im Laufe des August und eventuell nach der Blüte bei starkem Behang ein wenig korrigiert. Grundsätzlich kann der Kirschbaum den ganzen Sommer über geschnitten werden, besser ist mehrmals korrigierend einzugreifen und zu pinzieren als starke Schnitte überhaupt notwendig zu machen.

Merke:. Ein Baum sollte immer so geschnitten werden,
           dass er gar nicht  merkt, dass er geschnitten wird!
 

Literaturzitate:

ZAHN, F.-G.: "Die Spindel beim Steinobst" in: Erwerbsobstbau 32.Jg. Heft 3, 60-66 (1990)
ZAHN, F.-G.: "Höhengerechter Pflanzabstand" durch "Stärkenbezogene Baumbehandlung" in:
Erwerbsobstbau 36.Jg. Heft 8, 213-220 (1994)
VOGEL,T.: " Der Süßkirschenanbau im Anbaugebiet Forchheim-Fränkische Schweiz" (1995)

 

 

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DER GESUNDE MARILLENBAUM

Obwohl der Marillenpreis sehr gut und der Markt sehr aufnahmefähig ist, standen einem erwerbsmäßigen Anbau der Marille vor allem die Frostempfindlichkeit der Blüten und das ständige Absterben von Bäumen entgegen.

Das Aufkommen von schwachwachsenden Unterlagen, neue, reichblühende und frostfeste Edelsorten, und die Erziehung in Spindelform eröffnen dem Marillenanbau neue Perspektiven.

Es ist sehr wichtig, die richtige Sorten - Unterlagenkombination am richtigen Standort zu pflanzen. Für die Gesunderhaltung der Bäume aber kommt der richtigen Erziehungsform große Bedeutung zu.

Zur Entwicklung kräftiger Blütenknospen benötigt der Marillenbaum viel Licht. Vor allem bei Halb- und Hochstämmen und in Frostjahren fällt auf, dass Früchte nur in den oberen Baumteilen zu finden sind. Natürlich sind bei Frösten die Temperaturen in Bodennähe tiefer, was aber in Hanglagen nur sehr wenig zum Tragen kommt. Daher ist Marillenanbau in Stau- und Tallagen abzulehnen. 1998 hatten wir bis -8° in der Hauptblüte und während der Blühzeit drei Wochen lange immer Minusgrade. Frostfeste Marillensorten mit genügend Licht, ausgewogen ernährt und vor Blütenmonilia geschützt, hielten selbst diesen Temperaturen stand.

In einem modernen Marillenanbau brauchen wir vom Boden pflege- und beerntbare Bäume, möglichst viele einjährige Kurztriebe (vor allem diese tragen Marillen in Frostjahren) auf einer maximalen Kronenoberfläche pro Hektar. Am leichtesten lässt sich dies mit möglichst vielen, kleinen, kegelförmig aufgebauten Bäumen realisieren. Was im Apfelanbau schon lange eine Selbstverständlichkeit ist, ist bei der Marille noch dringlicher.

Die Forderungen an ein Erziehungssystem wie

-optimale Standraumausnützung und damit verbunden

-frühe Anfangs- und hohe Vollerträge bei bester Fruchtqualität,

-Arbeitserleichterung bei Schnitt und Ernte in Verbindung mit einer

-Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Senkung der Lohnkosten

stellen wir bei allen Obstarten, auch bei der Marille.

Deshalb ist bei uns vor zehn Jahren die Idee gereift, über 30 Marillensorten auf verschiedensten Unterlagen in einem Pflanzabstand von 4 x 1,5m zu pflanzen. Dass wir damit auch die Baumgesundheit und die Frostfestigkeit deutlich erhöhen konnten, zeigen vor allem die letzten Frostjahre.

Durch unsere guten Kontakte zu allen großen Marillenzüchtern weltweit bekommen wir jährlich neue Sorten. Das ließ unser Sortiment auf 180 Marillensorten anwachsen, fast 150 davon stehen im Ertrag, etliche wurden schon wieder gerodet, da sie unseren Anforderungen nicht entsprachen.

Bei herkömmlicher Erziehung macht sich das Marillenbaumsterben oft schon an Bäumen im beginnenden Ertragsstadium durch Gummifluss, Ast-, Leitast- und Baumsterben bemerkbar. Selbe Probleme konnte F.-G. ZAHN aus Jork im "Alten Land" vor 20 - 30 Jahren bei der Kirsche durch "Stärkenbezogene Baumbehandlung" und den damit verbundenen "Höhengerechten Pflanzabstand" lösen.

Die Zahn´sche Regel lautet:

Der Seitenast darf niemals stärker sein als die Hälfte der Stammstärke vor der Verzweigung, da sonst der Seitenast die Führung übernimmt und die Stammverlängerung abstirbt - das gefürchtete Marillenbaumsterben. Da ein Seitentrieb nicht stärker werden darf als die Hälfte des Stammes, darf er auch nicht länger werden als die Hälfte des Stammes. Daraus ergibt sich der "Höhengerechte Pflanzabstand". Für die Praxis bedeutet dies, wenn wir alle Früchte vom Boden aus ernten wollen, und die Bäumendhöhe somit auf 2,5 bis 3 m begrenzen müssen, darf der Baumabstand in der Reihe nicht mehr als 2,5 m betragen. Dies ist das Maximum und unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass ein kleiner, gesunder Baum bei 1,5 oder 2 m leichter zu erziehen ist als bei weiterem Abstand.

Ein wichtiger Faktor ist auch das "Spindelgerechte Pflanzmaterial".
Ein spindelfreudiger Marillenjungbaum ist eine einjährige Veredlung mit drei bis sechs vorzeitigen Trieben in einer Höhe ab 60 cm. Diese sollen mindestens 40 cm lang, gut ausgereift und nicht stärker als 1/3 des Stammdurchmessers sein. Wie beim Pfirsich machen zu starke oder 2-jährige Bäume beim Anwachsen eher Probleme und sind mit ihren steilabgehenden, starken Ästen für Spindelerziehung nicht empfehlenswert. Die Veredlungshöhe muss sich an der Unterlage und den Bodenverhältnissen orientieren, nicht unter 10 cm, bei feuchten Böden über 20 cm. 

Im Wuchs- und Blühverhalten bewegt sich ein Marillenbaum zwischen dem Pfirsich und der Zwetschke. Schneiden wir einen Pfirsichbaum bei der Pflanzung sehr stark zurück, einen Zwetschkenbaum die vorzeitigen Triebe bis zu 80 cm überhaupt nicht, sollte man bei der Marille die vorzeitigen Triebe um ein Drittel bis zur Hälfte einkürzen. Der Mitteltrieb wird in der Regel 60 cm über der obersten Verzweigung abgeschnitten. Vorzeitige Triebe die stärker als die ½ des Stammes sind, sollten schon bei "in Saft gehen" des Baumes auf Astring entfernt werden. Die links und rechts sitzenden Beiaugen treiben in der Regel willig durch, bringen 15 - 30 cm lange, flache Triebe und sorgen gleichzeitig für die Wundverheilung. Eine zweite Möglichkeit, um bei Marillen-bäumen keine großen Wunden am Hauptastgerüst zu machen, ist, diese zu starken Äste auf einen 10 cm langen "lebendigen Stummel" zu schneiden.     

Wir beachten beim Pflanzschnitt keine Augenrichtung und verwenden keine Wundverschlussmittel. Dafür kontrollieren wir ein bis zwei Monate nach dem Austrieb den Baum und schneiden an der Basis auf einen flach abgehenden Außentrieb. Aufrechtstehende Triebe werden pinziert oder gebrochen, an der Mitte belassen wir den obersten schönen Trieb, schneiden diesen jetzt exakt und ohne Stummel, verstreichen diese Wunde und pinzieren oder entfernen 3 - 5 darunterliegende Konkurrenztriebe. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die vorzeitigen Triebe waagrecht gestellt. Dies funktioniert mit Formierhilfen wie "Astfix" oder selbstgebogenen Drahtklammern sehr schnell, ist aber auch mit Schnüren möglich.

Im August kann man mit diesen Klammern bereits steilstehende Triebe am Mitteltrieb waagrecht formieren. Hauptziel ist eine dominierende Mitte mit ausschließlich flach abgehenden, generativen Trieben.

Im 2. Jahr beschränken sich die Schnittmaßnahmen auf das Herausreißen oder Waagrechtstellen steiler Treibe. Jenen Trieben, die im Mai länger als 30 cm oder im Juni länger als 50 cm sind, entfernen wir einfach die Triebspitze. Diese treiben später am Ende wieder durch, garnieren sich in der Zwischenzeit dahinter mit Blütenknospen und die bei warmen Wetter gebildeten Neutriebe sind im kommenden Frühjahr ebenfalls voll mit Blüten.

So kommen wir bereits im 3. Jahr zu einem ruhigen Baum mit vielen Blüten. Sind keine Blütenfröste müssen wir nach der Blüte den zu erwartenden Ertrag auf 5 - 8 kg pro Baum ausdünnen.

Starkwachsende, krautige Triebe werden auch in den Folgejahren herausgerissen oder pinziert. Herausreißen ist ein weit schnellerer Arbeitsvorgang als der Schnitt im Winter und Wunden verheilen sofort. Durch das Pinzieren entsteht statt einem vegetativen Langtrieb, ein verzweigter, generativer.

Grundsätzlich sollte der Baum immer mit einem totalen Blütenknospenüberschuss in die nächste Blüte gehen. Erfrieren nach Warmwetterperioden im Winter und anschließendem Kälterückfall Blütenknospen oder durch zu tiefe Temperaturen in der Blüte Blüten, kommen wir mit 10 bis 20 % verbleibenden Blüten noch immer auf zufriedenstellende Erträge. Treten keine starken Fröste auf, müssen möglichst rasch nach der Blüte ein Großteil der Jungfrüchte mittels Schnitt entfernt, und 2 - 4 Wochen später zusätzlich mit der Hand ausgedünnt werden. Grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass ein Marillenbaum jährlich um 10 bis 20 Prozent Ertrag unterfordert werden sollte, als rein für gute Fruchtqualitäten notwendig wäre. Nur damit Erreichen wir jedes Jahr einen totalen Blütenknospenüberschuss und auf Dauer gesunde Bäume. Gerade die Jahre 1997 und 1998 haben gezeigt, dass Bäume die im Vorjahr etwas überfordert waren, nicht nur weniger Blüten bringen, sondern dass diese auch deutlich frostempfindlicher sind.

Am besten werden Marillenbäume bald nach der Ernte grob geschnitten, nach der Blüte, wenn wir wissen, wie viele Früchte zu erwarten sind, wird der Baum ein zweites Mal korrigiert.

Um den Baum nicht aus dem physiologischen Gleichgewicht zu bringen muss er zwar beim Schnitt nach der Blüte stärker geschnitten werden als im Winter, dafür kann man zu diesem Zeitpunkt den Fruchtansatz besser beurteilen, den Baum kleiner halten und Wunden verheilen besser. Außerdem treibt der Baum im äußeren Bereich nicht mehr so stark, und kräftigt somit die vorjährigen Fruchtspieße.

Nur zum Vergreisen neigende Bäume schneiden wir im Spätwinter.

In unserer 10 jährigen Versuchsanlage mit 1,5 m Baum- und 4 m Reihenabstand bewegte sich der Ertrag seit dem 3. Standjahr selbst in den Frostjahren zwischen 10 und 15 kg bei den von uns derzeit empfohlenen Sorten.

Zum Erreichen eines angestrebten durchschnittlichen Hektarertrages von 15.000 kg sind folgende Erträge pro Baum notwendig:

Pflanzabstand

m² Standraum

Bäume / ha

-10 %
Anwand

kg/Baum bei
15.000 kg/ha

4 x 1,5

6

1.666

1.500

10

4 x 2

8

1.250

1.125

12

4 x 2,5

10

1.000

900

16,7

4 x 4

16

625

560

26,8

6 x 5

30

333

300

50

Uns ist bewusst, dass ein Halbstamm 6 x 5 m auch mehr als 50 kg pro Baum tragen kann. Jedoch gerät dieser oftmals in eine starke Alternanz, muss mehrmals durchgeerntet werden, die Früchte befinden sich in unterschiedlicher Qualität meist an der Peripherie des Baumes, Pflege und Pflanzenschutz sind schwierig und das gefürchtete Schlagtreffen nimmt seinen freien Lauf.

Der Hochstamm hat seine Berechtigung als landschaftsgestaltendes Element und wäre in vielen Gebieten aus dem Landschaftsbild nicht wegzudenken. Für den Erwerbsobstanbau ist die optimale Ausnutzung des Standraumes eine Existenzfrage.

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SPRITZ- UND ARBEITSKALENDER BEI MARILLEN
Stand Februar 2009

Grundsätzlich müssen Marillen nicht so oft gespritzt werden wie andere Obstarten, und trotzdem mussten wir einsehen, dass, wenn wir regelmäßige Erträge und gesunde Bäume wollen, wir ohne Spritzplan nicht auskommen.

Die erste Spritzung bei intensiv produzierenden Marillenplantagen sollte zeitig im Frühjahr beim Knospenschwellen zur Förderung der Baumgesundheit stattfinden. Geeignet sind alle Mittel, die auch gegen die Pfirsichkräuselkrankheit wirken, besonders Kupferpräparate.

In der Integrierten Produktion ist in Österreich Cuprofor flüssig (Kupferoxychlorid)
0,5 – 1,0 %ig  gegen pilzliche und bakterielle Schaderreger im Obstbau erlaubt
(5 kg pro Hektar). 

Sollen bei einer sehr ruhigen Marillenanlage Schnittmaßnahmen im Winter durchgeführt werden, empfehlen wir diese erst, wenn der Baum bereits leicht in Saft gegangen ist.  Ideal ist es, diese Kupferspritzung bald nach diesen Schnittmaßnahmen durchzuführen.

Kräftig wachsende  Anlagen sollte man, falls diese nicht schon idealerweise nach der Ernte geschnitten wurden, möglichst knapp vor der Blüte, bei geringem Fruchtansatz überhaupt  erst nach der Blüte schneiden. In diesem Fall tätigt man die Kupferspritzung schon lange vor dem Schnitt beim Knospenschwellen.

Je nach Bodenuntersuchungsergebnis, Wuchsstärke, Blütenknospenansatz, Bodenverhältnissen, Vorjahresertrag und –witterung, Mulchaufbau, etc. kann bereits Anfang - Mitte März bei Marillen die erste Teilgabe mit 20-35 kg Reinstickstoff (N)/ha empfehlenswert sein. Bei hohem Fruchtansatz und schwachwachsenden Bäumen ist die erste Düngegabe die Wichtigste. Im Boden ist jetzt noch fast kein pflanzenverfügbarer Stickstoff vorhanden, erst ca. Ende Mai wird Stickstoff aus dem Boden freigesetzt. Andere Nährstoffe unbedingt laut Bodenuntersuchungsergebnis düngen.

Bei Blühbeginn, sobald sich die ersten Blüten öffnen, sollte gegen Blütenmonilia gespritzt werden. Im ÖPUL-IP-Obst sind Switch 62,5 WG (0,06% bzw. 0,6-1 kg / ha), Teldor (0,1%ig), Flint (0,167 kg / ha und je m Kronenhöhe), Systhane 20 EW (0,225 l / ha und je m Kronenhöhe) und Baycor (0,15%ig registriert, d.h. 1,5 kg/ha bzw. 750 g pro Meter Kronenhöhe und ha) erlaubt.

Für eine gute Wirkung von Baycor und Systhane sind 10-15° C Temperatur notwendig. Bei kaltem Blühwetter ist Switch der Vorzug zu geben.                                                           

Herrscht feucht-kühles Blühwetter ist es ratsam, Bor über das Blatt zu düngen. Gerade Bor ist ein wichtiger Bestandteil des Narbensekretes und fördert das Haften und die rasche Keimung des männlichen Pollens auf der weiblichen Narbe. Man gibt zur Moniliaspritzbrühe 1 kg Borax und 5 kg Harnstoff pro Hektar.

Bei anhaltend warmem Wetter ist sehr rasch die Vollblüte erreicht und ein optimaler Zeitpunkt für die zweite Behandlung gegen Blütenmonilia.

Geschützt sind nur jene Blüten, die zum Zeitpunkt der Behandlung offen sind. Da der Pilz hauptsächlich durch Wassertropfen in die Blüte transportiert wird, haben Behandlungen vor Regenbeginn die beste Wirkung. Bei kühl-nassem Wetter kann eine 3. Spritzung notwendig sein.

Mit Monilia befallene Blüten werden rasch braun und trocknen ein (wird oft mit einem Frostschaden verwechselt), der Pilz dringt schnell in das tieferliegende Holz und lässt dieses absterben. Besonders stark gefährdet sind die vielen kurzen Fruchtspieße, die meist intensiv blühen und dadurch einem starken Moniliadruck ausgesetzt sind = Spitzendürre. 


In die abgehende Blüte
bzw. im Stadium „noch in der Hose“ kann in niederschlagsreichen Gebieten Botrytis oder Monilia die jungen Früchte zerstören bzw. an den sehr jungen, rasch entwickelnden Blättern sich der erste Infektionsdruck von Marillenblattbräune, Schrotschuss usw. aufbauen – breitwirksamen Fungiziden wie Flint, Signum oder Systhane 20 EW ist der Vorzug zu geben.

Zu diesem Zeitpunkt hat man ein sehr schnelles Blatt- und Fruchtwachstum, selbst sehr schöne Anlagen zeigen meist hellgrüne Blätter – Blattdünger wie Harnstoff u. a. dieser Pflanzenschutzmaßnahme beigeben.


Nach der Blüte sind je nach Witterung alle 2 – 3 Wochen Behandlungen gegen Marillen-blattbräune angebracht. Diese Mittel wirken auch gegen Schrotschuss, Sprühfleckenkrankheit, Schorf und reduzieren den Druck von holzzerstörenden Pilzen, welche wiederum das Schlagtreffen fördern.

In der Integrierten Produktion kann man dabei zwischen Delan WG (Dithianon), Systhane 20 EW, und Signum wählen und diese am besten wechseln. Signum hat eine sehr breite Wirkung (Monilia-Fruchtfäule, Spitzendürre, Schrotschuss, Sprühfleckenkrankheit, Marillenblattbräune) und bei Marillen 7 Tage Karenzzeit.

Diesen Spritzungen kann man ein Insektizid gegen die Fraßschäden an Blättern und Früchten beigeben. In vielen Anlagen ist ein Befall von Frostspannerraupen u. a. zu beobachten, wodurch ein starker Lochfraß an den Blättern entsteht. Außerdem sind meist virusübertragende Blattsauger vorhanden.    

Im Öpul-IP-Obst kann man mit Steward (gegen Pfirsichwickler und kleiner Frostspanner registriert, mit einer guten Nebenwirkung gegen Zikaden, 85g / ha + m KH, WZ 14 t), Calypso (gegen Blattläuse reg., 0,1 l je ha + m KH, WZ 14t) und Cymbigon (gegen Schmetterlingsraupen reg., 0,03 %ig, WZ 21 t) eine gute Wirkung gegen Frostspanner u. a. saugende und fressende Insekten erwarten. Bei trockener Witterung ist es empfehlenswert, Magnesium und Stickstoff über das Blatt zu düngen (z.B. 3 kg Bittersalz und 5 kg Harnstoff / ha o.a. Blattvolldünger).

Vor der Ernte unbedingt die notwendigen Karenzzeiten der verschiedenen Pflanzenschutzmittel beachten!
 

Anfang bis Mitte Mai sollte bei gutem Behang händisch ausgedünnt werden, auf jeden Fall bevor der Kern hart zu werden beginnt. Frühes und kräftiges Ausdünnen (etwas stärker als rein für die heurige Fruchtqualität notwendig wäre) reduziert die Alternanz und fördert am besten die Blütenknospenqualität für die nächste Saison.
 

Beim Ausdünnen kann man auch Wasserschosse rausreißen bzw. starkwachsende Triebe pinzieren – entfernen der roten Triebspitze.

Bei gutem Behang jetzt die 2. Teildüngergabe mit N je nach zu erwartendem Ertrag geben. Grundsätzlich sollte der Marillenbaum immer über den Boden ernährt werden, Blattdüngergaben sollen durch ihre gezielte rasche Wirkung nur helfen, Stresssituationen zu überbrücken.

Sollen Marillen länger gelagert werden, kann eine Vorerntebehandlung gegen Fruchtfäule mit Moniliafungiziden wie Teldor (WZ 3 t), Signum (WZ 7 t) oder Switch (WZ 14 t) unter besonderer Berücksichtigung der Wartezeit empfehlenswert sein.

Werden nach der Ernte korrigierende Schnittmaßnahmen getätigt, kann man bald nach dem Schnitt die entstandenen Wunden mit oben genannten Fungiziden vor Infektionen durch holzzerstörende Pilze schützen. Durch das Entfernen starkwachsender Triebe erreicht man eine bessere Belichtung und deutlich bessere Blütenknospenqualität - bis Anfang September verheilen die Wunden sehr rasch.

Nach hohen Erträgen und bei trockener Witterung kann mit zusätzlichen Blattdüngergaben die Blütenknospendifferenzierung positiv gefördert werden. Empfehlenswert sind 2-3 Behandlungen mit 10-15 kg Harnstoff oder eine Blattdüngermischung aus:
5-10kg / ha Harnstoff, 2-4 kg / ha Magnesium (Magnisal, Bittersalz), 0,5-1 kg / ha Bor (Solubor), 0,3-0,8 kg /ha Zink (Zinkflow), ca. 0,5 kg / ha Mangan,
je nach Witterung Fungizide beimischen.  


Im Herbst während des Blattfalls (4/5 der Blätter abgefallen), vor allem wenn Frühfröste den Blattfall verursachen, sollten die frischen Blattnarben zeitgerecht mit einem Kupferbelag z.B. Cuprofor flüssig (0,5 – 1,0 %) abgedeckt werden, um diese gegen pilzliche und bakterielle Krankheitserreger zu schützen.
 

Unkrautbekämpfung:

Anfang bis Mitte Mai haben wir gute Erfahrungen mit dem Einsatz eines Glyphosates (Roundup UltraMax, Glyfos, Touchdown Quattro) gemacht. Da diese systemisch wirken, dürfen sie nur bis max. Mitte Mai eingesetzt werden. Sind Wurzelschosser vorhanden, ist es empfehlenswert, dem Glyphosat U 46 M-Fluid (MCPA) beizumischen (z.B.: 1,5 l Roundup + 0,8 l MCPA pro ha auf 150 - 200 l Wasser bei einer Streifenbehandlung von 80 cm und 4 m Reihenabstand). Neuerdings bietet sich zur gezielten Bekämpfung der Wurzelschosser Kabuki an.

Je nach Unkraut- und Wurzelschosserdruck ist 5 bis 8 Wochen später eine weitere Herbizidbehandlung notwendig. In bewässerten Anlagen ist dies oft noch vor der Ernte angebracht. Behandelt man die Wurzelschosser mit Kabuki (Pyraflufen-ethyl, keine WZ, Früchte dürfen nicht getroffen werden), hat man meist eine ausreichend herbizide Wirkung um nach der Ernte Basta (Glufosinate, WZ 14 t,) einzusetzen.

Meist ist im Herbst eine weitere Herbizidbehandlung mit Basta empfehlenswert.

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Fusilade Max (Fluazop-P)
gegen einj. einkeimblättrige Unkräuter, Quecke u.a. Gräser.

Flexidor (Isoxaben) sehr gut marillenverträgliches, selektives Vorauflaufherbizid zur Bekämpfung von aus Samen auflaufenden einj. zweikeimblättrigen Unkräutern ab dem
1. Standjahr. Feuchter, feinkrümeliger und unkrautfreier Boden ist Voraussetzung für eine gute Wirkung. Ideal ist eine Ausbringung zeitig im Frühjahr,

Kerb Flo (Propymazid) gegen einkeimblättrige Unkräuter, einschl. Quecke und Vogelmiere, gute Verträglichkeit, ab dem 1. Standjahr in der Vegetationsruhe einsetzbar, Herbst-, Winterbehandlung bis 10° C.
Kerb Flo in Kombination mit Flexidor zeitig im Frühjahr eingesetzt, hat oft eine Wirkung bis Juni. Im Juni Kabuki gegen Wurzelschosser; im August Basta (mit Basta dürfen junge Stämme nicht getroffen werden).


Diese Pflanzenschutzhinweise sollen nur meine Erfahrungen der letzten Jahre zusammenfassen und erheben keinen Anspruch an Vollständigkeit. Alle erwähnten Maßnahmen jedes Jahr zu tätigen und in jedes Gebiet zu übertragen ist  bestimmt falsch.  Unbedingt lokale Pflanzenschutzempfehlungen, die gesetzlich vorgeschriebenen Anwendungsbestimmungen und länderweise Registrierung bzw. IP-Richtlinien beachten!   

Bei offenen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Obstbauberater! 

 

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Die `Wangenheimer Frühzwetschke`-

Chance im modernen Steinobstanbau?

Vielen älteren Obstbauern wird ´Wangenheims´ als Zwetschkensorte mit einer breiten Verwertungsgsmöglichkeit und ökologischen Anbaubreite bekannt sein. Ihre Verwendung als Unterlage für Marillen und Zwetschken haben viele schon  vergessen.

 
Seit  langem sind wir intensiv auf der Suche nach schwachwüchsigen Unterlagen für einen intensiven Steinobstanbau.

1991 pflanzten wir eine Versuchsanlage mit verschiedensten Zwetschken- und Marillensorten
auf mehreren schwachwüchsigen Unterlagen. Hauptunterlage war damals die französische
St. Julien GF 655-2 neben einer Reihe neuer Unterlagen,die damals international empfohlen
wurden wie z.B. Jaspi® fereley, Torinel® avifel, Isthara® ferciana, Pumiselekt®, Plumina® ferlenain (GF 2038), Weito®, Citation® und  Julior® ferdor. Um zu sehen, ob diese Unterlagen auch wirklich eine Verbesserung von bereits vorhandenen sind, pflanzten wir sie neben GF 8-1,
St. Julien A und INRA Nr. 2, Ackermanns, Große grüne Reneklode und Wangenheims.

1995 machte uns Herr Dr. Hartmann mit einem Artikel über den Schwachwuchs von Wangen-
heims aufmerksam. Wir begannen uns wieder sehr intensiv für diese Unterlage zu interessieren
und konnten auch in unserer Versuchsanlage einen schwächeren Wuchs gegenüber den meisten anderen Unterlagen feststellen, der mit zunehmenden Alter immer deutlicher wird. Bei President, Hauszwetschke ´Wolf´ und ´Schüfers´ beträgt dieser im Vergleich zu GF 655-2 an unserem Standort bis zu 30 % (Foto 1 und 2).  Bei Cacaks Schöne und Cacaks Fruchtbare ist der Wuchsunterschied nur gering, wobei Wangenheims sehr gute Fruchtqualität und eine etwas frühere Ausfärbung zeigt. Als größten Vorteil sehen wir das Fehlen von Wurzelausläufern bei Wangenheims.

In Polen stehen über 800 ha Zwetschken auf Wangenheims, und sie stellt neben der Myrobolane die wichtigste Unterlage dar. Nicht zuletzt, da in vielen Versuchen die positiven Ergebnisse von Wangenheims überzeugten:

 

Abbildung 1: Wuchsstärke von Quillins Reneclode, Cacaks Beste und Stanley auf
4 verschiedenen Unterlagen   (Versuchsstation Brzezna, PL, Pflanzjahr 1991):

Stammstärke in cm²

Abbildung 2spezifischer Ertrag in kg / cm² Stammstärke von Quillins Reneclode,
Cacaks Beste und Stanley auf 4 verschiedenen Unterlagen   (Versuchsstation Brzezna,
PL, Pflj. 1991, kumulierter Ertrag 1993-96):

   kg / cm²

Abbildung 3: durchschnittliches Fruchtgewicht in g von Quillins Reneclode, Cacaks Beste
und Stanley auf 4 verschiedenen Unterlagen   (Versuchsstation Brzezna, PL,  1993-96):
       
g

Abbildung 4: Wurzelausläufer pro Baum bei Quillins Reneclode, Cacaks Beste und Stanley
auf 4 verschiedenen Unterlagen   (Versuchsstation Brzezna, PL,  1993-96):

 Stk. / Baum

Wir möchten uns auch an dieser Stelle bei Herrn Dr. Sigmunt GRZYB aus Skierniewice in
Polen bedanken, für die vielen Anlagen und Versuche die er uns zeigte bzw. deren
Ergebnisse er uns zur Verfügung stellte und deren Veröffentlichung er uns ermöglicht.

Ähnliche Erfahrungen liegen auch  aus Österreich  aus der Zwischen- und Nachkriegszeit
vor. Warum konnte diese Unterlage so in Vergessenheit geraten, wo sie doch auch eine
gute Affinität mit allen getesteten Marillensorten aufwies?

Als wir dieser Frage nachgingen ließen wir keine Chance aus, sie alten Ostbauern und Baumschulern zu stellen und erhielten folgende Antworten:

·
        Der Ertrag war zu niedrig und der Wuchs zu schwach.

Damals wurden bei Zwetschken und Marillen in erster Linie Halb- und Hochstämme mit Pflanzabständen von 5 – 8 m gepflanzt. Auch beim Apfel war M 9 mit unseren derzeitigen Pflanzdichten kein Thema und auch nicht vorstellbar. Bäume auf Wangenheims füllten ihren
Platz meist nicht aus und brachten auch geringere Einzelbaumerträge.

·    Wangenheims macht in der Baumschule keine schönen Bäume.

Wangenheims wächst auch in der Baumschule am schwächsten. Kann man auf starkwach-
senden Unterlagen einjährig oft schöne Halb- und Hochstämme erziehen, ist dies bei
Wangenheims schon schwieriger. Auch den flachen Astabgangswinkel, den Wangenheims
fördert kommt unserer modernen Spindelerziehung entgegen, für hochstämmige Bäume
benötigt man ein stabiles, kräftiges Astgerüst.

·      Die Vermehrung war zu schwierig, das Saatgut teurer.

Erzielte man bei Myrobolane eine Keimrate um 70 %, musste man sich bei
Wangenheims meist mit 30 – 40 % Sämlingen zufrieden geben, die dazu noch
schwächer in der Sortierung waren. Mit modernen Stratifizierungsmethoden
erzielt man heute schon bessere Ergebnisse. 

·       Vegetativ vermehrte Unterlagen wachsen einheitlicher und wurde der
   Vorzug gegeben.

Ein Umstand der auch heute noch zutrifft. Wangenheims ist nicht gleich Wangenheims.
Wird die selbstfruchtbare Wangenheims im Sämlingsquartier von einer anderen Zwetschkenunterlage befruchtet, kann der Wuchs bis doppelt so stark sein (Tab.5).

 

Obwohl Sämlinge sharka- und phytoplasmenfrei sein sollen, sollten Wangenheims-Unterlagen
nur aus einer von anderen Sorten isolierten, virus- und phytoplasmenfreien Samenspender-
anlage kommen.

 
Abbildung 5:


      1.
     
Wangenheimer Frühzwetschke x Wangenheimer Frühzwetschke
             (WaxWa)
      2.      Wangenheimer Frühzwetschke x Brompton
      3.      Wangenheimer Frühzwetschke x Quillins Reneklode
      4.      Wangenheimer Frühzwetschke x St. Julien A
      5.
     
Wangenheimer Frühzwetschke x Rote Skorospielka
      6.      Wangenheimer Frühzwetschke x Große grüne Reneklode

  
Wangenheims x Wangenheims (WaxWa) – Unterlagen zeichnen sich durch einen sehr einheitlichen Schwachwuchs aus, der mit Pixi und Plumina® vergleichbar ist, schwächer
als St. Julien GF 655-2 oder Torinel.

  
Aus heutiger obstbaulicher Sicht bietet WaxWa folgende Vorteile:

     1.     Die auf ihr veredelten Marillen- und Zwetschkensorten wachsen
             deutlich schwächer und ermöglichen einen intensiven Anbau mit
             Pflanzdichten bis 1500 Bäume pro ha.

2.     Die Unterlage bildet keine Wurzelschosse.

3.     Der Vollertrag wird früher erreicht. Bei allen bisher geprüften
   älteren und neuen Sorten zeigen sich keine Affinitätsstörungen.

4.     Sie hat selbe Bodenanspüche wie GF 655-2 und Torinel® und ist
   robust gegen Chlorose und Wurzelersticken. 

5.     WaxWa und Torinel® brauchen im Winter höhere Bodentemperaturen
   um in Saft zu gehen als Ishtara®, Jaspi® fereley oder Pumiselekt®,
   was bei Marillen nach Warmwetterperioden im Jänner und anschließenden
   Kälterückfall ein Vorteil sein kann.

6.     Marillenblätter sind nur wenig attraktiv für Blattläuse und werden
   dementsprechend selten von diesen befallen. Bei Unterlagen mit
   Wurzelausläufern werden diese oft bis Ende September von
   Blattläusen heimgesucht und stellen ein großes Risiko in der Sharkaübertragung dar. 

  
Literaturhinweis:
Dr. Sigmunt Grzyb, Dr. Walter Hartmann: „Wangenheimer Frühzwetschke – als Unterlage geeignet“ in
Obstbau 12/95
Dieselben:  „Wangenheimer als Unterlage“ in Deutsche Baumschule 2/1997
Abb. 1-5: Dr. Sigmunt Grzyb: Versuchsergebnisse des Instituts für Obst- und Zierpflanzenbau in
Skierniewice, Polen

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